Tagung

Gendersensibilisierung in der Ausbildung von Natur- und Techniklehrpersonen

Bei Schüler*innen der Volksschule im Natur- und Technikunterricht zeigen sich Geschlechterunterschiede in Bezug auf Interessen, Selbstkonzept, Leistungen und stereotype Wahrnehmungen von MINT-Berufen. Dies äussert sich auch in ausgeprägten Geschlechterunterschieden im Berufs- und Studienwahlverhalten.

DatumFreitag, 3. Februar 2023
Zeit10.00 bis 17.30 Uhr
OrtPädagogische Hochschule Luzern, Sentimatt 1
ZielgruppenNatur- und Technikdozierende sowie NMG-Dozierende aller Pädagogischen Hochschulen, MINT-Dozierende und Fachpersonen

 

Tagungsziel

Die Tagung bietet eine Plattform zur Präsentation, zum Austausch und zur Diskussion von konkreten Ausbildungskonzeptionen, fachdidaktischen Impulsen, Good-Practice-Beispielen und Ideen zur Gendersensibilisierung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen in MINT-Fachbereichen (Schwerpunkt NT).

Tagungsprogramm

09.30-10.00Eintreffen, Anmeldung und Begrüssungskaffee
10.00-10.10

Begrüssung 

Kathrin Krammer, Rektorin PH Luzern

10.10-10.30

Einführung 

Dorothee Brovelli, Prorektorin Forschung & Entwicklung PH Luzern

10.30-11.15

Keynote 1

Identitätsaushandlungen zu Naturwissenschaften als Perspektive für Gendersensibilisierung?!

Prof. Dr. Thorid Rabe, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

11.15-11.30Pause
11.30-12.30

Referate und Workshops (parallele Sessions) 

"Gender nicht nur im NT-Unterricht" (Kunz, PHSG)

"Künstliche Intelligenz hat ein Gender-Problem – Auswirkungen auf das Körperselbstbild und die Gesundheit" (Kuchinka, PH FHNW)

"MC-Test zum Theoriewissen bzgl. des gendersensiblen Physikunterrichts – Konzeption, Entwicklung und Validierung" (Tardent-Kuster, Gut, PHZH)

"Gender(un)gerechter Physikunterricht und die Genderkompetenz von angehenden Lehrpersonen" (Atanasova, Robin, PHSG; Brovelli, PH Luzern)

"MINTizin: Aufgabenstellungen aus der Medizintechnik für den 3. Zyklus" (Rigert, Brovelli, Gysin, PH Luzern)

"Role Models gendersensibel visualisieren – Science Communication by Iron, upgraded!" (Legscha, Prechtl, TU Darmstadt)

12.30-13.45Mittagspause
13.45-14.30

Keynote 2

Wie lassen sich Gender-Aspekte in die Hochschullehre integrieren? Best-Practice-Beispiele aus dem Fach Chemie

Prof. Dr. Markus Prechtl, Technische Universität Darmstadt

14.30-15.15

Poster Session (inkl. Kaffeepause)

"Analyse von Doing – Undoing Gender anhand von selber hergestellten Fotostrecken angehender Lehrpersonen" (Bürgisser, PH FHNW)

"«nature vs nurture»: Naturwissenschaften und gendersensible Hochschuldidaktik – eine Selbstevaluierung" (Ha, PHSG)

"Gleichberechtigte Team-Arbeit im praktischen Technikunterricht" (Gyalog, Güdel, PH FHNW)

"Selbstkonzept, Stereotype, Leistung und Angst in Primarschulkindern der Schweiz" (von Bergen, ETH Zürich)

"Das Thema gendersensibler NT-Unterricht in die Schule tragen" (Lanz, Schwarz, Wagner, PH Bern)

"Wie Lehrpersonen an der PH Luzern für einen gendergerechten Natur- und Technikunterricht sensibilisiert werden – Ein Einblick und Ausblick" (Gysin, Brovelli, PHLU)

"MINT für Mädchen (und Jungen) zugänglich machen - Erfahrungen aus dem Projekt 'It’s MINT'“ (Schwab, Fachstelle jumpps)

15.15-16.45  

Referate und Wokshops (parallele Sessions) 

"Umgang mit Versuchsanleitungen im Fach Physik" (Amacker, Brovelli, Wilhelm, PH Luzern)

"Wichtige Paare der Wissenschaftsgeschichte" (Gyalog, Hool, PH FHNW)

"Massnahmen für einen gendersensiblen Elektrizitätsunterricht" (Bigler, Stowasser, PH Bern)

"Mono- und koedukative Lehr- und Lernsettings in der Lehrpersonenbildung aus der Perspektive von Studierenden", (Pfirter, PHZH)

"Tiefenstrukturmaps mit Blick auf das Thema Gender – ein Good-Practice-Beispiel aus der Lehrpersonenbildung" (Fleischmann, PHZH)

"Zur Integration von Gender in die Ausbildung von Natur- und Techniklehrpersonen – Perspektiven aus Science and Technology Studies und den Gender Studies" (Gilbert, freischaffende Soziologin)

"Herausforderungen für die Gendersensibilisierung in MINT-Fächern: Forschungsergebnisse aus der Schweiz" (Lindner, Makarova, UNI Basel)

"Genderspezifische Wirkungen authentischer Kontexte für MINT-Lernumgebungen im Lehr-Lern-Labor" (Schmid, Brovelli, PH Luzern; Rehm, PH Heidelberg)

"Mono- und koedukative Lehr- und Lernsettings in der Lehrpersonenbildung – eine qualitative Analyse von semistrukturierten Interviews mit Dozierenden" (Lanka, PHZH)

"Storytelling als Zugang zu den Naturwissenschaften" (Hänger, PH FHNW)

"Von Dingen und Menschen im naturwissenschaftlichen Unterricht" (Zeyer, PH Luzern)

16.45-17.30            

Tagungsabschluss und Apéro

Michael Mittag, Cartoonzeichner, Psychologe, Dozent

Änderungen vorbehalten

Keynotes

Prof. Dr. Thorid Rabe, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Identitätsaushandlungen zu Naturwissenschaften als Perspektive für Gendersensibilisierung?!

Internationale Forschung zu naturwissenschaftlichem Unterricht und Gender nimmt immer häufiger (auch) die Identitäten und Identitätsarbeit von Schüler:innen in den Blick: Wie verhandeln Heranwachsende beispielsweise ihre eigene Physikidentität und andere Identitätsfacetten wie Gender miteinander? Welche Erfahrungen und Einflüsse gehen in diese Aushandlungsprozesse ein?

In meinem Vortrag möchte ich das Potential der Identitätsperspektive für gendersensible Forschung und Lehre umreißen. Befunde aus dem Projekt helpING (https://www.helping.academy/index.php 9) verdeutlichen, dass die Identitätsperspektive ermöglicht, die Breite an Zugängen von Lernenden und Lehrenden zu den Naturwissenschaften zu erfassen. Der dabei sichtbar werdenden Diversität auch innerhalb einer Gendergruppe lässt sich allerdings nur begrenzt durch „pauschale“ Fördermaßnahmen gerecht werden. Vielversprechend erscheinen zusätzliche individualisierte Zugänge und eine (gender-) reflexive Haltung der beteiligten Personen.

 

Prof. Dr. Markus Prechtl, Technische Universität Darmstadt

Wie lassen sich Gender-Aspekte in die Hochschullehre integrieren? Best-Practice-Beispiele aus dem Fach Chemie

Watch out! – Immer dann, wenn Geschlecht in naturwissenschaftlichen Kontexten thematisiert wird, kann es schnell brenzlig werden. Denn allzu oft treten dabei Stereotypen hervor, die sich hartnäckig verfestigen. Insbesondere der Umgang mit Bildern und bildlichen Vorstellungen von den Naturwissenschaften und den Menschen, die sich darin engagieren, sollte in der Hochschullehre gender- und diversitätssensibel reflektiert werden. Der Vortrag zeigt anhand von Best-Practice-Beispielen aus dem Fach Chemie auf, wie dies gelingen kann.

Der erste Teil des Vortrags ist klassisch-problemorientiert gestaltet. Am Beispiel von Analogien, die charakteristisch für das Kommunizieren naturwissenschaftlicher Inhalte sind, wird erläutert, wie diese zu Katalysatoren der Reproduktion von Stereotypen geraten können. Davon ausgehend wird angeregt, wie sich Studierende Analogien, Produktwerbungen und Biografien von Wissenschaftlerinnen methodisch zuwenden können, um für sich sinnstiftende Zugänge zu Gender-Aspekten in der Hochschullehre zu erschließen.

Der zweite Teil des Vortrags ist innovativ-lösungsorientiert ausgerichtet. Zum einen wir das Konzept DiSenSu (www.disensu.de) inklusive Befunden aus empirischen Begleituntersuchungen vorgestellt. Zum anderen wird ein mehrfach erprobtes Seminarkonzept skizziert, das experimentelle Tätigkeiten mit visuellem Storytelling verbindet. Beide Konzepte erweitert das Spektrum an Professionalisierungsmethoden, die auf Diagnose und Unterrichtsplanung abzielen, und schafft Reflexionsanlässe bezüglich Gender und Diversität.

Der Vortrag schließt mit einem Ausblick auf Potenziale einer engen Verknüpfung von Gender-Aspekten in der Hochschullehre mit den Sustainable Development Goals und lädt zu einem gemeinsamen Austausch darüber ein.

Anmeldung zur Tagung

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