Interessen-Selbsttest für Lehrpersonen
Zyklus 2
Wo liegen Ihre Interessen und welchen Einfluss haben diese auf die Gestaltung geschlechtersensibler Lernsituationen im NMG-Unterricht?
Menschen zeigen unterschiedliche Interessen in Bezug auf Beruf, Tätigkeiten und Handlungsfelder. «Der Begriff Interesse bezeichnet eine emotional positive Beziehung einer Person zu einem bestimmten Gegenstand, wobei dieser Gegenstand aus Inhalten oder Tätigkeiten bestehen kann. Interesse zeigt sich dadurch, dass sich die Person gerne mit dem Interessensgegenstand auseinandersetzt» (Pflanzl & Krammer, 2017, S. 2).
Auch Lehrpersonen bringen eigene Interessen, Erfahrungen und fachliche Vorlieben in den Unterricht ein. Diese können sich in Auswahlentscheidungen zeigen, z.B. bei Themen, Materialien, Beispielen, Rollenbildern und Lerngelegenheiten. Im forschend-entdeckenden Unterricht zeigt sich diese Auswahl konkret. Lehrpersonen entscheiden, welche Phänomene untersucht werden, welche Fragen im Zentrum stehen und welche Tätigkeiten wie Beobachten, Experimentieren, Dokumentieren oder Erklären besonders Gewicht erhalten. Der RIASEC-Selbsttest kann dazu anregen, die Auswahlentscheidungen mit Blick auf eigene Interessen und mögliche blinde Flecken zu reflektieren.
Was bedeutet RIASEC?
Das RIASEC-Modell nach John Holland bietet eine Möglichkeit, Interessen systematisch zu erfassen und in sechs Bereiche zu strukturieren. Die Abkürzung RIASEC steht für Ralistic, Investigative, Artistic, Social, Entreprising und Conventional.
Für das vorliegende Instrument werden die sechs RIASEC-Bereiche sinngemäss ins Deutsche übertragen und für den Einsatz als Reflexionsinstrument operationalisiert:
- Realistic (R) – handwerklich-technisch
Interesse an praktischen, mechanischen, technischen und körperlich aktiven Tätigkeiten. - Investigative (I) – forschend-analytisch
Interesse am Beobachten, Lernen, Analysieren und Problemlösen. - Artistic (A) – kreativ-gestaltend
Interesse an wenig vorstrukturierten Situationen, in denen Kreativität eingesetzt werden kann. - Social (S) – sozial-helfend
Interesse an der Arbeit mit Menschen. - Enterprising (E) – führend-unternehmerisch
Interesse an Zusammenarbeit, Auftreten, Überzeugen, Leiten und unternehmerischen Tätigkeiten. - Conventional (C) – ordnend-verwaltend
Interesse an detailorientiertem, organisiertem Arbeiten und am Umgang mit Daten.
Das Modell wurde ursprünglich im Kontext beruflicher Interessen und Laufbahnorientierung entwickelt. In der vorliegenden Verwendung steht jedoch nicht die Berufsorientierung im Vordergrund. Der Selbsttest wird als Reflexionsinstrument für Lehrpersonen genutzt, um eigene Interessen und fachliche Vorlieben sichtbar zu machen. Die Auswertung ist nicht als psychologisch validierter Test zu verstehen.
Durchführung
- Sie beantworten alle 42 Fragen direkt in der Excel-Datei. Bei jeder Aussage geben Sie auf einer 7-Punkte-Skala an, wie stark Sie der Aussage zustimmen.
- Die Auswertung erfolgt automatisch.
- Nach dem Ausfüllen zeigt das Spider-Diagramm ein persönliches Interessenprofil. Höhere Werte bedeuten, dass ein Interessenbereich stärker ausgeprägt ist.
Reflexion mit Blick auf den Unterricht
Das Interessenprofil kann als Ausgangspunkt für die Reflexion des eigenen Unterrichts verwendet werden. Neben den stärksten Interessenbereichen sind auch die weniger ausgeprägten Bereiche bedeutsam. Sie können Hinweise darauf geben, welche Zugänge, Tätigkeiten oder Forschungsschritte im eigenen Unterricht möglicherweise weniger selbstverständlich berücksichtigt werden.
Mögliche Reflexionsfragen:
- Welche Interessenbereiche sind bei mir besonders stark oder weniger stark ausgeprägt?
- Welche Ergebnisse bestätigen meine Selbstwahrnehmung? Welche überraschen mich?
- Welche Zugänge, Phänomene oder Tätigkeiten kommen in meinem Unterricht bisher besonders häufig vor?
- Welche weniger stark ausgeprägten Interessensbereiche könnten bei der Planung forschender Lernsituationen bewusster mitgedacht werden?
- Wie kann ich forschende Lernsituationen im NMG-Unterricht so gestalten, dass unterschiedliche Interessen angesprochen werden?
- Welche konkreten Aufgaben, Materialien oder Rollen könnten helfen, unterschiedliche Zugänge im Lernprozess sichtbar zu machen?
Die Reflexion lädt dazu ein, eigene Interessen, Erfahrungen und Vorstellungen als mögliche Einflussfaktoren auf die Unterrichtsgestaltung sichtbar zu machen und bisher weniger berücksichtigte Zugänge bewusster mitzudenken.
Downloads für die Durchführung des Interessentests
- RIASEC-Interessentest Vorlage zum Ausfüllen
42 Fragen in einer Exceltabelle inkl. Spider-Diagramm - Beispiel eines ausgefüllten RIASEC-Interessentests
Quelle:
Das Instrument basiert auf dem RIASEC-Test des Department of Education, State of Hawaii, der im Kontext von Career Pathways bzw. beruflicher Orientierung eingesetzt wird. Für das vorliegende Instrument wurden die Items sinngemäss ins Deutsche übersetzt.
https://www.hawaiipublicschools.org/DOE%20Forms/CTE/RIASEC.pdf, abgerufen am 29.06.2026
Pflanzl, B. & Krammer, G. (2017). Berufliche Interessen von Lehrkräften an Berufsschulen. ISSN: 2313-1640, Open Online Journal for Research and Education. Verfügbar unter: (PDF) Berufliche Interessen von Lehrkräften an Berufsschulen
